Tuesday, May 21, 2013

Island In The Sun - Part II

Da ich gerade ein wenig Zeit habe, versuche ich mal was über die letzten Tage zu schreiben. Das ich letztendlich wirklich noch in Richtung Vancouver Island losgefahren bin war ja schon klar.

Nachdem alle eingesammelt sind geht es los. Eine lustige Truppe. Halb Europa und 2 Australier. Vertreten sind die Schweiz, Österreich, England, Schweden und ich repräsentiere Deutschland. Erst mal herrscht großes Schweigen, aber so nach und nach tauen alle auf. Die meisten schlafen eh im Bus. Verstehe ich nicht. Dafür gibt es viel zu viel zu sehen.

Nach 20 Minuten mit John im Auto muss ich anfangen zu lachen und vermisse meine beste Freundin. Zur Erklärung: John und ich haben den gleichen Fahrstil. Wer schon mal mit mir Auto gefahren ist kennt meine Vorliebe für Kurven. Ich bin während der Tour fast mehrmals vom Sitz gerutscht.

Um auf die Insel zu kommen müssen wir natürlich mit der Fähre fahren. Ist wie damals auf der Fahrt nach Texel. Schön in eine Reihe stellen und warten bis man auf die Fähre kommt. Ich kenne das, für einige scheint das aber neu zu sein. Auf der Fähre dann gleich rauf und Nase in den Wind. 90 Minuten dauert die Überfahrt und dann sind wir in Nanaimo. Von da aus geht es in Richtung Tofino. Zwischendurch gibt es immer wieder Zwischenstopps für Kaffee, Einkauf und zum Füße vertreten. Tut auch ganz gut, denn bei dem Tempo kriegt man einen leichten Flash. Alles rast an einem vorbei. Berge, Flüsse, Bäume uns Seen kennt man ja, und doch wirkt hier alles anders. Größer, breiter und irgendwie unwirklicher.

Kurz bevor es ins Hostel geht noch das Freizeitprogramm für den nächsten Tag gebucht. WhaleWhatching und eine Tour zu den Hot Springs. Kostet 115$, aber dafür sind wir auch den ganzen Tag unterwegs und kriegen einiges zu sehen. Hätte ich geahnt was da am nächsten Tag passiert hätte ich mich Rebecca angeschlossen. Im Hostel angekommen gibt es ein gemeinsames Essen. John grillt bestimmt 40 Steaks und wir machen Salat und Kartoffeln.

Das Essen ist lecker, aber mit einem Steak kriegt man mich ja immer. Der Salat bestand aus Tomaten, Gurken und ein paar Zwiebeln. Alles kein Problem. Nur die Gewürze- und Kräutermischung am Salat ist gewöhnungsbedürftig.

Rebecca, Molly, Michael und ich machen den Abwasch. Abwaschen "the british way" ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Aber als echte Britin darf Rebecca das. Wasser rein, Wasser raus, Wasser rein, Salatschüssel ausspülen, Wasser raus. Wir haben Spaß und das Geschirr ist auch wirklich sauber geworden.

Das Hostel ist wie ein großes Familienhaus. Ich habe ein Einzelzimmer, yeah. Endlich mal eine Nacht ohne Mitbewohner. Am nächsten Morgen geht es dann ausgeruht Richtung Wasser. Noch eine kurze Sicherheitseinweisung, eine Leihmütze und ab aufs Boot. Das Wetter könnte besser sein, aber Regen stört mich nicht. Nach einer Stunde auf dem Wasser habe ich ein ganz anderes Problem. Mir ist schlecht. Und zwar so richtig schlecht. Ich sitze schon freiwillig draußen an der frischen Luft im Regen. Unser Kapitän ist niedlich. Ob's mir gut geht und ob ich nicht lieber vorne im Boot sitzen will. Ich muss wirklich grün im Gesicht sein. Bloß nicht drinnen in der stickigen Luft. Nein danke, ich bleibe an der frischen Luft. Nach einer weiteren Stunde bin ich patschnass, aber das lenkt ein wenig von der Übelkeit ab. Mittlerweile bin ich mir auch ziemlich sicher, dass mir diese Kräuter-Gewürzmischung auf den Magen geschlagen hat. Na ja... die angebotene Tüte hab ich nicht gebraucht. Geht auch ohne, wenn man über der Reling hängt.

Dann sind wir endlich bei den Hot Springs. Denkste. Erst noch eine halbe Stunde durch den Regenwald. Immerhin schaukelt hier nichts. Die Hot Springs sind cool, aber man sollte wirklich aufpassen. Man klettert über die nassen Felsen in heißes bis warmes Wasser. Wenn man eh gerade gut durchgeschüttelt wurde nicht die beste Freizeitaktivität. Es ist allerdings äußerst angenehm, wenn man bis auf die Knochen durchgefroren ist in warmen Wasser zu sitzen. Allerdings kann ich mich über eine mitreisende nur wundern. Den Silberring hätte ich ja abgenommen bevor ich ins Wasser gehe. Der hatte nämlich plötzlich eine ganz andere Farbe. War doch klar bei schwefelhaltigem Wasser. Aber hier merke ich den Altersunterschied meiner Mitreisenden. Wieso ist das Wasser überhaupt warm? Jetzt ernsthaft? Die ist mit dem Abi fertig und weiß nicht, warum wir auf einer Erdspalte in warmen Wasser sitzen? Und wie ich darauf kommen, dass das Schwefel wäre. Erstens riecht man es oben an der Quelle und zweitens steht es auf dem Infoschild am Eingang. Ein Schld für die offensichtliche Rutschgefahr wäre auch nett gewesen. Rein kam ich ja noch, aber der Rückweg endet dann mit einer Grätsche in die Felsspalten. Dummerweise mit dem linken Fuß in eine, mit dem rechten in eine andere. Mir reicht's für heute. Definitiv nicht mein Tag. Zurück aufs Boot. Diesmal allerdings ohne Übelkeit. Liegt vielleicht an den Schmerzen im Knöchel.

Zurück an Land empfängt uns Don. Dem gehört das Unternehmen das diese Bootstouren anbietet. Ein netter Kerl, dem ich wohl so leid tue, dass er mir die schwarze Mütze schenkt. Ich sehe nicht nur total durchgefroren aus, ich bin es auch. Ab ins Hostel unter die heiße Dusche.

Hier weiß ich auch warum ich mir eine Bandage und die große Dose Kühlgel gekauft habe. Gleich ab auf den Knöchel und auf die Veranda, Füße hochlegen. Schön wenn der Schmerz nachlässt. Da lasse ich mich auch von Rebecca auf ein Cider einladen. Hat sie im 10er Pack erstanden und die Farbe von dem Getränk ist lila. Passt farblich zu meinen Prellungen.

Ich mag Rebecca. Nicht weil sie mir ein Cider ausgegeben hat, sondern weil wir ein paar Gemeinsamkeiten haben. Rebecca ist in meinem Alter und ebenfalls mit einem Working Holiday Visa hier. Es ist eben ein Unterschied ob man diesen Trip direkt nach der Schulzeit macht oder schon fest im Arbeitsleben verankert war oder ist. Außerdem hat sie diesen herrlichen britischen Akzent.

Gemeinsames Essen, aber diesmal lasse ich den Salat weg. Spaghetti mit Tomatensoße. Da kann ja nichts schief gehen. Rebecca und ich amüsieren uns über Thomas. Thomas kommt aus der Schweiz, ist 24 sieht aber höchstens aus wie 18. Rebecca würde ihn glatt in eine Boyband stecken. Der arme Kerl. John nimmt ihn auch die ganze Zeit auf die Schippe.

Es wird aber Zeit fürs Bett. Den Abwasch machen heute die anderen. Dafür singen sie bis spät in die Nacht. Auch das geht vorbei. Am nächsten Morgen geht es Richtung Victoria. Der Gesangsverein schläft im Bus wieder ein. War ja klar. Bevor wir ins Hostel einchecken machen wir noch einen Abstecher auf einen nahgelegenen Berg. Wahnsinnsausblick. Kurzer Zwischenstopp im Hafen und Fisch gekauft. Nicht für uns. Für den Seehund im Hafen. Einmal auf den Steg geklopft und keine Minute später ist der kleine Kerl da. Lässt sich sogar per Hand füttern.

Das Hostel ist komplett ausgebucht. Schottische Highland Games und morgen die Victoria Parade. Ich teile mir das Zimmer mit den beiden schweizer Girls und John. Mich stört das nicht. Aber die beiden Mädels haben wohl ein Problem damit. Wir gehen aber erst mal in die hosteleigene Bar. Ein Guinness gönne ich mir jetzt. Wir wollen aber in eine richtige kanadische Bar. Wir landen im Big Bad Johns. Gewöhnungsbedürftig ist das man mit praktisch jedem Outfit in die Bars kommt aber man steht draußen Schlange. In der Bar ist es dafür aber nicht so übermäßig voll. Laut und trotzdem gemütlich. Und Erdnussschalen überall auf dem Boden. Zwei Bier reichen aber und Rebecca und ich machen uns auf den Rückweg. Die hat zwischenzeitlich mit John die Zimmer getauscht. Wird die Mädels freuen. Wir verlaufen uns kurz auf dem Rückweg, finden aber doch noch zum Hostel.

Kurze Nacht und am nächsten Morgen bei Sonnenschein kurz durch Victoria gelaufen um wenigstens ein bisschen von der Stadt zu sehen. Dann aber Platz für die Parade gesichert. Es ist Feiertag in Canada und das wird hier ordentlich zelebriert. Klappstühle und Decken auf den Gehwegen. Fahnen, Mützen, Schals.... alles mit einem Ahornblatt versehen. Militär, Veteranen, Polizei, Feuerwehr, Marine... alle laufen mit. Auch verschiedene Farmen, Institutionen, Vereine oder Radiosender sind dabei. Die Parade scheint kein Ende zu nehmen. Ich bin überwältigt von so viel Stolz und Anteilnahme der Kanadier. Nach 3 Stunden ist dann auch der letzte Wagen vorbei und wir machen uns auf den Rückweg.

Zurück aufs Festland geht es wieder mit der Fähre. Immer zwischen den kleinen Inseln hindurch. Kurzzeitig sogar durch amerikanische Gewässer. Molly wundert sich, dass keine Pässe kotrolliert werden. Molly kommt ursprünglich aus Schweden, arbeitet zur Zeit aber in Canada. Und da Schweden gerade gegen die Schweiz im Hockey gewonnen hat, ist sie in bester Laune.

Runter von der Fähre und nach und nach werden alle an ihren Hostels abgeliefert. Ich entscheide mich diesmal für das Jericho Beach direkt am Strand. Es geht ja gleich weiter Richtung Whistler.

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