Sunday, June 30, 2013

Madness


Das mir hier jetzt keine Mißverständnisse aufkommen. Ich liebe das Leben hier in Canada. Ich liebe die Menschen, die Natur, die Freiheit, aber es gibt ein paar Dinge die gehen mir langsam aber sicher ein wenig auf die Nerven bzw. treiben mich in den Wahnsinn.

Es gibt ein paar Dinge von denen habt ihr Kandier einfach keine Ahnung. Geschmacksneutralität ist nur die Spitze des Eisberges. Irgendwie schmeckt hier alles gleich oder nach schlichtweg nichts. Da hilft auch kein „Allzweckgewürz“ mehr. Für einfache Gewürze wie Paprika, Curry, Oregano oder schllichtweg Pfeffer musst du schon wissen, in welchen Laden du gehen musst. Immer nur fertige Gewürzmischungen.

Von Käse versteht ihr leider offenbar auch nichts. Ist ja dann auch kein Wunder, das der gute importierte Käse aus der Schweiz oder Holland gleich 10$ (im Angebot, sonst gut 12$) kostet. Für ein kleines Stück wohlgemerkt. Den Cheddar kriegst du zwar noch für relativ günstige 6-8$ dafür hat er aber auch kaum Geschmack. Dabei bin ich ja auch der Käsefan schlechthin... aber ich freue mich schon jetzt auf ein richtig schönes Stück Gouda. Natürlich den holländischen bitte.

Wenn schon Käse aus der Schweiz, dann wird auch gleich die Schokolade mit importiert. Die heimische schmeckt hier auch nur nach Einheitsbrei. Und nicht mal wirklich nach Schokolade. Nö.. dann lieber die gute Lindt-Schokolade. Ist mit 4$ pro Tafel auch nicht viel teurer als in good old Germany. Hat aber auch seine Vorteile, denn so esse ich weniger davon.

Was habt ihr Kanadier eigentlich mit Nutella? Mal abgesehen davon, dass ein kleines Glas gerade mal 6,12 Dollar kostet, scheint es hier mehr Leute zu geben die sich Nutella aufs Brot schmieren als welche die Erdnussbutter bevorzugen. Das mit der Erdnussbutter verstehe ich eh nicht. Hab noch nie etwas so gruseliges gegessen. Aber wenigstens schmeckt das Brot dann nach etwas. Bis jetzt habe ich noch keinen Unterschied zwischen dem Weiß- und Volkornbrot schmecken können. Und bei den Wraps kommt auch kein großer unterschied zu Tage.

Das Kapitel Bier können wir schnell abhaken. Ich erzähle niemandem mehr, das ich aus Deutschland komme. Da bricht gleich die Grundsatzdiskussion los und jeder erzählt mir was von Oktoberfest. Ja, ja... wir Deutschen und unser Bier. Trotzdem verzichte ich auf eine 5$ Flasche Becks. So schlecht ist das einheimische Bier nun auch wieder nicht.

Liebe Kanadier, das was ihr hier Lakritze nennt ist ja wohl nicht euer Ernst. Das ist das schlimmste was ich je gegessen habe. Dagegen sind ja selbst die Katzenpfötchen von Katjes ein Genuss.

Soviel mal zu den Lebensmitteln... aber es gibt etwas anderes das ich vermisse. Ein vernünftiges Kopfkissen wäre nicht schlecht. Und warum muss die Küche von 2300h bis 0600h geschlossen sein... schon mal was von Mitternachtssnack gehört? Und wenn du morgens deinen Kaffe um 0730h für 2 Minuten unbeobachtet in der Küche lässt, kannst du sicher sein, das die neue vom Housekeeping den Kaffee weggeschüttet hat.

Was mich aber so richtig zum Wahnsinn treibt, hat so garnichts mit Kanda zu tun. Das sind meine Roommates. Egal ob sich 2 oder 8 Leute ein Zimmer teilen, ein paar Grundregeln sollten immer gelten. Es gibt diese Dinger an den Türen die man runterdrücken kann. Nennt sich Türklinke. Scheinen aber einige  nie etwas von gehört zu haben oder wollen es einfach nicht. Echt prima wenn man morgens um 0300h von einer lautstark zugeknallten Tür geweckt wird. Dann noch mal 20 Minuten später und genauso morgens.... wenn man schon mal schlafen kann, rumms! Das kann man natürlich umgehen indem man die Tür einfach ganz auflässt. Ist auch schön, dann hört man die Nachtschicht beim Putzen und Eimer umwerfen. Hätte auf das Angebot von Ian eingehen sollen. Der hat eines der Luxuszimmer über 2 Ebenen und zur Zeit keinen Mitbewohner. Hat mir die obere Hälfte angeboten.

Ich weiß schon warum ich meine Wertsachen alle unter Verschluss habe. Das Hostel ist für eine Menge Leute zugänglich und eine offene Zimmertür mag den einen oder anderen schon einladen. Schlimmer noch wenn sich die eigenen Mitbewohner an fremden Sachen vergreifen. Egal ob unter Verschluss, im offenen Schrank oder auf dem Boden. Was mir nicht gehört, rühre ich auch nicht an. Und schon gar nicht mein 6 Dollar-Nutella! Für mich eine Selbstverständlichkeit, für andere offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich habe übrigens festgestellt, dass ich es wesentlich angenehmer finde in einem gemischten Zimmer zu wohnen. Grundsätzlich ist es ordentlicher und ruhiger. Aber selbst die 3 Gentlemen im Zimmer halten Anna nicht davon ab ihre sämtlichen Sachen über Bett, Fußboden, Tisch und Stühle zu verteilen. Ich kann ja richtig fies sein... denn ich schiebe ihr die Sachen immer so vor‘s Bett, dass sie selbst drüber stolptert, wenn sie morgens irgendwann angetrunken ins Zimmer stolpert. Ist nur gerecht, denn sie verteilt ihren Kram so vor meinem Bett, dass ich nicht mal an die Leiter komme. Und akrobatische Einlagen mit Sprung aufs Hochbett werde ich bestimmt nicht machen. Dumm nur, dass Anna so gut wie nie in ihrem Bett schläft. Keine Ahnung wo die sich immer rumtreibt.  Ich will es auch nicht wissen. Ehrlich gesagt, kann ich Anna nicht leiden. Und jetzt weiß ich auch warum. Das Sachen auf einmal verschwinden hat erst angefangen, seit Anna eingezogen ist. Shampoo, Bodylotion, Cremes, Haarspray, Fön, ein neues Shirt, Brot, Chips, Nutella, Chips und diverse Getränke vermissen wir aus dem Volunteer-Raum erst seit Anna hier wohnt. Aber das hat ja nun ein Ende. Sobald sie wieder auftaucht, kann sie ihren Kram packen und gehen. Und mir die 6 Dollar wiedergeben.

Sunday, June 23, 2013

Blackout

Das Licht flackert noch kurz auf und dann ist Ende im Gelände. Sicherheitshalber gleich alle Stecker von den elektronischen Geräten ziehen. Wenn der Strom wieder anspringt könnte das eine böse Überraschung geben. Die Nachbargebäude sind ebenfalls ohne Strom. Das sieht nicht gut aus. 5 Minuten später ist klar, die ganze Stadt ist ohne Strom. Ich könnte jetzt ausflippen wie ein Großteil der anderen. Tue ich aber nicht. Bringt mir erstens nun wirklich überhaupt nichts und zweitens könnte es viel schlimmer kommen. Wir sind immerhin auf dem Berg. Es regnet mittlerweile nämlich schon wieder.

Die Frage ist nun allerdings warum ist der Strom weg. Ian wagt die erste Prognose... wenn in zwei Stunden kein Strom da ist, haben wir ein größeres Problem. Dann werden wohl die Turbinen am Damm betroffen sein. Der weiß wovon er redet, der arbeitet nämlich zur Zeit für eines der Unternehmen die den Highway reparieren und die Zugangsstraßen überwachen. Er weiß auch wie viele Trucks mit Lebensmitteln in die Stadt gekommen sind. Beruhigt ja doch ungemein.

30 Minuten später haben wir Gewissheit. Das Wasser hat das Spannwerk geflutet. Na das könnte ein paar Tage dauern. Fast das gesamte Personal wollen runter zum Damm und sich das ansehen. Ob ich nicht mitkommen will. Spätestens hier wird es wieder offensichtlich. Ich bin einfach anders. Meine Priorität gilt etwas anderem. Also lasse ich die Meute ziehen. Die kommen eh nicht bis an den Damm. Da wird alles schön abgesperrt sein.

Ich frage Ian ob wir uns jetzt nicht lieber um Wasser Sorgen machen sollten. Und richtig. So lange wir noch Wasser aus der Leitung kriegen müssen wir das ausnutzen. Also ab in die Küche und alles an Töpfen, Kannen, Schalen, Flachen, Kisten und Eimern her und Wasser abfüllen. Kein Strom, kein fließend Wasser, keine Toilettenspülung, keine funktionierenden Kühlschränke, kein Licht.... da wird einem bewusst wie abhängig wir von Strom und Elektrizität sind. Im Wildernesshostel ist ja wenigstens alles darauf ausgelegt, aber hier? Pustekuchen. Kein Gas für Kocher oder ähnliches. Aber die größte Sorge gilt hier den meisten nur dem fehlenden Wi-Fi und Handyempfang. Vom Hostelpersonal gibt es Anweisungen: keiner benutzt die Dusche, Toilette nur wenn unbedingt nötig, seine Getränke sollte sich jeder einteilen. Trinkwasser wird sonst vom Personal verteilt. Wir planen also alle mit mehreren Tagen ohne Strom.

Ian wundert sich das ich so ruhig bleibe. Für mich müsste das doch völlig ungewohnt sein. Natürlich ist es das, aber irgendwie finde ich es auch spannend. Kein Grund auszuflippen. Nach drei Tagen ohne fließend Wasser würde es wohl anders aussehen. Ich fühle mich in solchen Situationen erstaunlicherweise wohl. Nicht das ich mich darüber freue, versteht das jetzt bloß nicht falsch. Schnelle Entscheidungen treffen und überlegt und organisiert handeln scheint mein Hirn irgendwie draufzuhaben.

Nachdem Ian und ich alles an Wasser gesammelt haben was nur möglich war bleibt auch uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Mittlerweile ist es auch 2300h irgendwas. Die anderen sind mittlerweile auch zurück. Natürlich nicht bis zum Damm gekommen, na wer hätte das gedacht. Dann genießt man eben den Blick in den Nachthimmel. Zwischen den Wolken zeigen sich ein paar Sterne und der Vollmond. So ohne jegliche Lichtquelle wirkt es gleich ganz anders. Dann aber ab ins Bett. Und unglaublich ruhig ist es. Kein Ventilationssystem, keine Musik, absolute Stille.

Da lässt sich auch vernünftig schlafen. Und am morgen dann die große Überraschung. Der Strom ist wieder da. Da müssen über Nacht aber einige Leute ganz schön was geleistet haben. Auch wenn ich gerne mal erfahren hätte wie es ist ein paar Tage ohne Strom zu leben bin ich sehr dankbar. Hoffen wir das es auch so bleibt. Noch ist die Lage hier alles andere als entspannt.

Land Unter

Regen ist in den Rockies nun wirklich nichts ungewöhnliches. Auch mehrere Tage hintereinander sorgt sich da noch niemand. Doch was da über Nacht in Calgary runterkam ist für niemanden vorhersehbar gewesen. Die komplette Innenstadt ist überflutet, da geht nichts mehr.

Das ganze Wasser hat den Pegel des Bow River so stark angehoben, dass wir selbst hier in Banff noch die Auswirkungen spüren. Wir sind seit gestern von der Außenwelt abgeschnitten. Ich lebe also momentan auf einer Insel. Der Highway und die Nebenstraßen sind entweder durch Schlammlawinen unpassierbar oder das Wasser hat ganze Teile einfach weggerissen. Und noch ist kein Ende des Regens in Sicht. Also was tun? Vorräte bunkern. Runter zum Safeways und das nötigste für die nächsten Tage holen. Wer weiß wann wieder Nachschub kommt. Den Gedanken hatte die halbe Stadt. War ja klar. Alles leer in den Regalen. Na gut dann eben zur Konkurrenz. Da ist zum Glück noch fast alles da. Die Mitarbeiter können das Lager aber nicht verlassen, denn die Leute reißen ihnen fast die Sachen aus den Händen. Gruselig. Ich will schnell wieder hoch ins Hostel. Ich bin noch nie so froh gewesen auf einem Berg zu wohnen. Die Anwohner unten am Fluss werden schon evakuiert. Wenn das Wasser weiter steigt, steht auch hier die ganze Stadt unter Wasser. Die Busse fahren auch schon nicht mehr. Das heißt aber auch im Regen mit Einkauf die 3 Kilometer den Berg rauf. Los geht's und auf halben Weg höre ich das erste Auto hinter mir. Dafür würde ich mich ja nicht extra umdrehen, aber wenn schon gehupt wird... ein Moosebus. Ich liebe diese Dinger. War doch keine so blöde Idee mir den quietschgrünen Rucksack zu holen. Man erkennt mich offenbar immer wieder. Caleb nimmt mich die letzten Meter mit. Der ist mit seiner Tour nun auch hier gestrandet und muss nun von Hostel zu Hostel fahren um die Leute zu informieren. Handyempfang ist nämlich auch nicht mehr da.

Wollte heute mal runter zum Bow River um mir das aus der Nähe ansehen. Bin nicht mal bis zum Fluss gekommen. Der Trail ist unpassierbar und das ist vielleicht auch ganz gut so. Kann vom oberen Trail schon zu viel Wasser sehen. Also schnell ein paar Bilder geknipst und zurück zum Hostel. Es blitzt und donnert schon wieder. Jetzt ist aber mal gut hier...

Bow River...

...vor 2 Wochen

und der Park direkt daneben

so sieht's im Moment aus





Blick über's Bow Valley

da dürfte eigentlich kein Wasser zu sehen sein


hinter dem Wasser ist ein Golfplatz... das könnte eine Weile dauern

Zum Abend kommt dann doch tatsächlich die Sonne raus. Na endlich ein Lichtblick. Denkste... Blackout!

Wednesday, June 19, 2013

Taking Care Of Business

Die letzte Woche habe ich es ruhig angehen lassen. 3 Tage lang habe ich nicht mal meine Kamera angerührt. Die hat sich ja auch mal eine Pause verdient. Wusste wohl schon, dass mir die Erkältung oder was auch immer in den Knochen steckt. Bin aber nicht alleine mit dem Dilemma. Das halbe Hostel hustet und prustet vor sich hin.

Zum Glück muss ich nur 4 Stunden arbeiten. Ohne Schlaf finde ich aber auch 4 Stunden extrem anstrengend. Jetzt arbeite ich ja bereits seit ein paar Tagen im HI Banff Alpine Centre. Kennt ihr das aus Hotel oder Hostels wenn morgens jemand an der Tür klopft und "Housekeeping" ruft? Ich mach das jetzt auch. Und es macht sogar Spaß... wenn man die richtigen Leute um sich hat. Im Moment habe ich die Frühschicht, was bedeutet Waschräume putzen. Klingt schlimmer als es ist. Hab ja Handschuhe an. Das Problem habe ich aber mit meinen beiden Kollegen. Ich habe am ersten Tag mein Training von Radka bekommen, also welche Putzlappen und Reiniger für welche Sachen und der ganze Kram. Ich kann jetzt Bettlaken blind zusammenlegen. Was ich darf und was nicht. Und wenn mir gesagt wird ich soll die Reiniger nicht selber zusammenmischen und die Finger davon lassen dann ist das für mich nicht schwer. Ich bin immerhin nur Volunteer und auch hier gibt es Sicherheitsvorschriften.

Am nächsten morgen dann mit meinen neuen Volunteer-Kollegen los. Und die machen natürlich alles anders. Ich stehe da und gucke wie ein Auto. Was nun? Ich mache das was mir am Vortag beigebracht wurde und prompt regen sich die beiden auf. Und überhaupt wäre ich viel zu schnell. Wir haben schließlich 4 Stunden Zeit für ganze 8 Waschräume. Aha.... daher weht der Wind. Das hat mir Radka schon gesteckt. Also der Grundsatz ist 4 Stunden Arbeit und dafür keine Kosten für die Unterkunft. Wenn ich aber die Waschräume in 3 Stunden fertig habe sind ja immer noch die Küche da und die Wäsche macht sich auch nicht von alleine. Ich stelle fest, das ich eine völlig andere Arbeitseinstellung habe. Und ich bin mit meiner bisher immer gut gefahren. Wenn ich natürlich mehr Zeit damit verbringe auf meinem Laptop eine Playlist zu suchen und ständig kleine 10 Minutenpausen mache komme ich auch nicht voran. Mit den beiden werde ich nicht mehr grün. Franzosen hin oder her. Den Klopfer schlechthin haben die beiden heute gebracht.

Angefangen habe ich meine Schicht ganz normal. Gerade alle Reiniger im Korb und auf dem Weg, da hält mich Tricky schon auf. Ob ich erst den Lagerraum aufräumen könnte. Ja klar, hier sieht's eh aus als hätte 'ne Bombe eingeschlagen. Das passt Charline nun so überhaupt nicht. Na das dauert ja nicht lange, danach kann ich ihr ja helfen. Stimmt sie nicht gerade fröhlicher, aber auch nicht mein Problem. Ihr Freund Adrien kann ihr heute auch nicht helfen. Der hat heute "Spezialdienst", aber dazu gleich mehr. Ich liege gerade halb unter den Regalen im Lagerraum und hantiere mit dem Staubsauger und Tricky steht wieder in der Tür. Das würde aussehen als ob ich mit einem Staubsauger umgehen könnte. Ähm ja... offensichtlich und warum auch nicht? Dann bräuchte er mich jetzt zum Spezialdienst. Das nennt sich hier "Code B" und heißt nichts anderes als super gründliches Putzen. Jedes Zimmer auf einem bestimmten Flur wird bis in den hintersten Winkel gründlich geputzt und staubgesaugt. Unter den Betten, Matratzen runter, Tische und Möbel rücken, Schränke aussaugen. Und dann kommt ein anderer netter Mensch und versprüht irgendwelche Desinfektionsmittel. Kann auch nicht schaden. Was ich da alles gefunden habe. Löffel, Ketchuptüten, Socken, Bonbons, Strohhalme, eine  Handcreme, eine Tomate (schon fast lebend), McDonalds-Soßen, Keycards... und immerhin 3 Dollar an Kleingeld. Und wenn die das hier angeblich einmal im Monat machen hat hier aber jemand ordentlich geschlampt. Ich verbringe 3 Stunden mit 4 Zimmern und bin danach total erledigt. Holzplatten hoch, runter, hin und her. Matratzen schleppen. Aber ich habe meine Job gut gemacht. Tricky hat nichts zu beanstanden und da ich noch eine halbe Stunde habe bittet er mich die Küche zu machen. Kein Thema.

In der Küche treffe ich Charline und Adrien wieder. Ich bräuchte den Abwasch nicht machen. Das gehöre nicht zu unseren Aufgaben. "Wir tun nur das, was uns gesagt wurde." Das Grinsen kann ich mir nur schwer verkneifen. Klar ist es nicht mein Job den Abwasch fürs ganze Hostel zu machen. Aber wenn die Spüle voll ist und sie keiner mehr benutzen kann, finde ich das selbstverständlich. Die beiden Franzosen offenbar nicht. Die verschwinden aus der Küche und ich bin 5 Minuten später fertig.

Vor Beginn seiner Schicht muss sich jeder Volunteer in eine Liste eintragen und nach Ende wieder austragen. So eine Art Arbeitsstundennachweis. Der Hammer ist allerdings, dass ich schon ausgetragen bin. Um 1:00pm von den beiden dusseligen Franzosen. Normalerweise würde ich nicht auf die 10 Minuten Mehrarbeit bestehen, aber da die beiden erst um 9:15am angefangen haben und ganz dreist 9:00am auf Papier geschrieben haben trage ich auch meine 1:10pm ein. Bin ich froh, wenn die endlich abreisen.

Nach 3 Stunden Schlepperei brauche ich jetzt aber unbedingt eine Dusche. Regen ist zwar angenehm, hat aber nicht den gleichen Reinigungseffekt.  Dann ab in die Stadt und erst mal einkaufen. Der Kühlschrank ist nämlich leer.

Tuesday, June 11, 2013

It's Tricky

Das lief ja nun nicht wie geplant. Eigentlich sollte ich ja gestern meinen ersten "Arbeitstag" haben. Pustekuchen.... da hat jemand die Pläne vertauscht. Jemand ist gut. Der Koordinator des Programms heißt eigentlich Richard, hört aber nur auf den Spitznamen Tricky. Ist halt auch ganz schön knifflig alles zu koordinieren und den Überblick zu behalten. Er wird den Namen schon aus einem bestimmten Grund haben. Vielleicht muss man Kanadier sein um das zu verstehen. Ich hab's ja gesagt... merkwürdiger Humor. Gearbeitet wird also nicht vor Freitag. Gut, habe ich eben noch ein bisschen mehr Freizeit. Freizeit werde ich aber trotzdem genug haben. Ich werde fürs arbeiten nämlich nicht bezahlt. Ich arbeite 4 Stunden täglich und kriege dafür die Unterkunft im Hostel. Oder ich kann 8 Stunden arbeiten und hab einen Tag frei. Für die Verpflegung muss ich allerdings selber aufkommen. Klingt jetzt erst mal gar nicht so toll.


Ich könnte mir einen bezahlten Job in der Stadt suchen, muss dann aber auch eine bezahlbare Wohnung finden. Und um die hier bezahlen zu können muss ich schon den ganzen Tag arbeiten. Und mal ganz ehrlich... dazu habe ich nun so überhaupt gar keine Lust. Alternativ gibt es auch ein paar Jobs bei denen man eine "Wohnung" gestellt bekommt oder zumindest vergünstigt wohnen kann. Diese Wohnungen sind aber meistens Kellerzimmer und extrem klein und ungemütlich.

Da teile ich mir lieber mit 7 anderen ein Zimmer im Hostel, ist ja eh nur zum schlafen, und kann alle anderen Annehmlichkeiten im Hostel genießen. Von großer Gemeinschaftsküche über die Außenanlagen, kostenloses Wi-Fi, Billiard, TV... und natürlich lernt man hier eine Menge Leute kennen. Das für 4 Stunden pro Tag? Also bitte, da wär ich ja schön blöd. Wenn's mir nicht gefällt kann ich immer noch umsatteln.

Also hatte ich eine Menge Zeit die Gegend zu erkunden. Hätte ich auch tun können, war aber doch etwas gefrustet über dieses Chaos, so das ich lieber shoppen gegangen bin. Schont die Kasse ja auch ungemein... but who cares? Ein neuer Pullover und ein Cap befinden sich nun in meinem Besitz.


direkt vor der Haustür auf der Straße, ich nenn ihn Harry
and yes... it's pink

Normalerweise hebt das ja die Laune... liegt wohl an der fehlenden Shoppingbegleitung. Bine!!!!! Dann muss eben die Schokolade herhalten als Ersatzbefriedigung. So geht der Tag dahin und am frühen Abend ging es ins Bett. Hatte nämlich nicht viel Schlaf die letzte Nacht. Bis 3:00am im Dancing Sasquatch und um 7:00am schon wieder wach. Na prima, dann hol ich den Schlaf halt nach.

Saturday, June 8, 2013

So Far, So Good

A whole month already? Kommt mir irgendwie länger vor. Liegt aber wohl an dieser Übermenge an Informationen und Eindrücken. Vieles ist gleich und doch vieles so unterschiedlich.

Hier ein paar fun facts und was ich bisher gelernt, angestellt und entdeckt habe:

  • um von Vancouver nach Halifax mit dem Auto zu kommen muss man 7 Tage lang 24 Stunden am Stück fahren. Ohne Pause selbstverständlich.
  • Kanada hat 5 1/2 Zeitzonen
  • in Ocean Falls (BC) regnet es durchschnittlich 330 Tage im Jahr. Da beschwer sich noch einer über Vancouver.
  • wenn in Vancouver Schnee fällt, liegt die ganze Stadt im Chaos.
  • ich weiß jetzt was ein Ogopogo ist 
  • Kanadier machen sich über sich selbst gerne lustig. Leute aus Newfoundland erfinden z.B. ihre eigene Sprache. Ow she cuttin dere by'e?
  • was "Ämmendn" bedeutet hat mich 1 Minute gekostet. Kanadier haben teilweise einen furchtbaren Akzent. Die Stadt heißt Edmonton.
  • außerdem gibt's hier komische Sachen zu essen


 


Land des Ahorn.. schon klar



das ist ja fast wie zu Hause



  • 2.675 Fotos habe ich bisher geknipst.
  • Kelwona bedeutet Grizzly-Bear
  • fasst jeder Satz endet wirklich mit "eh"
  • Kanadier sind extrem höflich
  • Autos halten an um dich über die Straße zu lassen sobald man an der Straße steht. Man verursacht sonst einen Verkehrsstau.
  • Autotüren muss man nicht abschließen selbst wenn Wertgegenstände im Auto liegen
  • VW fährt man hier sehr gerne, ebenso BMW
  • Berge sind eigentlich doch ganz schön
  • Mitarbeiter bei Banken und öffentlichen Behörden spricht man mit den Vornamen an und wenn man sich per Mail über eine Antragstellung nur informiert wartet der Sachbearbeiter den ganzen Tag auf dich.
  • ich bin auf einen Wasserfall geklettert (mit angeknackstem Knöchel)
  • Banff hat rund 7.500 Einwohner, in der Hochsaison aber über 30.000
  • Emerald Lake ist viel schöner als Lake Louise (keine Ahnung warum jeder darum so einen Hype macht)
  • ich möchte meinen Lunch immer an so außergewöhnlichen Plätzen wie Wasserfällen und Flüssen haben
Good to know that


Na über den Zaun klettern werde ich nicht


außergewöhnliche Kombination


in manchen Hostels ist das bitter nötig

  • Höhenluft ist gewöhnungsbedürftig und man braucht eine Menge Sonnencreme.
  • Entfernungen und Zeitangaben legt man hier großzügig aus
  • unsere Mücken sind ein Witz im Vergleich zu den hiesigen Mosquitos
  • Käse ist hier unverschämt teuer
  • Wasser kann man hier (fast immer) direkt aus den Flüssen trinken
warum dann aus Deutschland importieren?

  • Wenn man glaubt bei Tim Hortons arbeiten schon komische Leute, dann seht erst mal die bei Greyhound
  • nasse Felsen sind rutschig (das wusste ich ja eigentlich vorher auch schon)
  • mit der europäischen EC-Karte kommt man günstiger an Geld als mit der Kreditkarte

GrayLine in Pink... geht nur auf der Davie Street

Thursday, June 6, 2013

Back On The Road Again

Der Rucksack ist voll gepackt. Und zwar richtig voll. Alles was ich mitgenommen habe ordentlich reingestopft. Nur das Nötigste und Papiere in den kleinen Rucksack und dann ab zum Bus. Normalerweise hätte ich mir die 2.75$ für den Bus zum Greyhound gespart und wäre zu Fuß gegangen, aber mit dem Gewicht und Sonnenbrand auf dem Rücken bin ich mal faul. Hoffentlich ist der Rucksack nicht zu schwer. Sonst wird 'ne Extragebühr fällig. 15 Minuten später stehe ich vor dem Terminal. Hoffentlich ist die nette Dame nicht wieder am Schalter... puh, Glück gehabt. Der Rucksack wird gewogen. Ob ich noch was reinpacken will, ich wäre noch nicht über die Gewichtsgrenze. Witzbold, selbst wenn ich wollte. Da ist nicht mal mehr Platz für 'ne einzelne Socke drin.


sind ja nur 22,67kg
Habe noch 2 Stunden Zeit also denke ich mir: das Gepäck kannst du hier deponieren und gemütlich durch den Park bummeln. Könnte ich, aber die nehmen für einen 08/15 Spind stolze 5$! Danke, da trage ich lieber selber. Die nächste Parkbank ist meine und dann beginnt die Warterei. Einchecken erst 45 Minuten vor Abfahrt. Von wegen wer zuerst in der Reihe steht, der darf auch als erster einsteigen. Wir werden vorsortiert, geht vermutlich eher danach, wer wann seine Karte gekauft hat. Egal, Hauptsache kein Psycho mit im Bus der einem den Kopf abtrennt. Horrorstories am Lagerfeuer. Wenn ich mir die Leute so anschaue, sind aber schon ein paar komische Gestalten dabei. Der einzige andere normalerscheinende Mensch quatscht mich auch gleich an. Das wäre ja jetzt modern, das auch junge Frauen mit Rucksack auf die Reise gehen. Zu seinen Zeiten hätte es das nicht gegeben.

Wolfgang ist 78 und Deutsch-Kanadier. War ja klar. Wir sind auch überall. Ich will englisch lernen und nicht ständig deutsch sprechen. Er freut sich aber so endlich mal wieder deutsch sprechen zu können. Na ja, dann will ich mal nicht so sein. Kommt aus der Nähe von Ottawa und macht jetzt den Rückweg mit dem Bus. Wird wohl ein paar Tage in Anspruch nehmen. Allein die Fahrt bis nach Banff dauert ja schon 13 Stunden... und das im Expressbus. Alle schön in ihre Reihen und dann geht es los.

Wolfgang hat geplant und darf als erster einsteigen. Sitzplatz habe ich später keinen neben ihm, dafür habe ich eine andere Begegnung der dritten Art. Sorry, anders kann man Debbie nicht beschreiben. Amerikanerin, strohblond, irgendwo in den 40ern und ein äußerst "sonniges" Gemüt. Die Fotos in Unterwäsche wollte ich nicht fotografieren, aber der junge Mann eine Sitzreihe schräg hinter ihr hat ganz schön nach Luft geschnappt. Aber nett ist sie. Redet nur leider wie ein Wasserfall.

 


Stöpsel in die Ohren, wofür hab ich denn sonst den Ipod, und los geht's in Richtung Banff. Die Sonne scheint noch ordentlich und erst langsam wird es dunkel.


 

Um Mitternacht heißt es umsteigen in Kamloops. An Schlaf war eh nicht zu denken. Entweder telefonierte der Typ hinter mir derart laut, das ich sogar seinen Gesprächspartner am Telefon verstehen konnte oder die gute Debbie haut mir ihr Kissen um die Ohren. Augen zu und durch. In Kamloops will dann jemand in den Bus einsteigen, der kein Ticket hat. Er sitze schon seit Vancouver im Bus. Na logisch, deswegen können sich 30 Leute auch nicht an ihn erinnern. Die Busfahrerin fragt ihn ob er ihr das Ticket zeigen könne. Offensichtlich nicht, den jetzt fängt er an sie zu schupsen und zu beschimpfen. Na das kann ja heiter werden. Er wird in den Innenbereich der Station gebracht und wir können weiterfahren. Haben ja schließlich einen Zeitplan... aber ob die Augenzeugen bitte einen Bericht schreiben könnten. Mir ist zwar nachts um halb eins eigentlich nach was anderem aber sicher doch.

So geht es weiter durch die Nacht. Zwischendurch einmal kurz eingenickt aber um 0400h morgens sieht man schon das es wieder heller wird. Und kalt ist es. Da fällt einschlafen nicht gerade leicht. Sind immerhin noch 4 Stunden bis Banff. Die Strecke kenne ich ja zum Großteil auch schon. Aber Schlaf will sich nicht einstellen. Um 6:10am dann der Stop in Golden. Hier war ich auch schon. Gab's letzte Woche schon nichts zu sehen, aber immerhin warmen Kaffee! Und eine willkommene Gelegenheit sich die Beine zu vertreten. Wettertechnisch ist es hier grau in grau.



Aber das ändert sich im Minutentakt. Je näher wir Banff kommen, umso mehr scheint die Sonne. Und da alle anderen schlafen unterdrücke ich den Impuls laut "Bear" zu rufen... sind ja nicht im Moosebus. Schade eigentlich. Ich vermisse das richtig.
Na dann hab halt nur ich den Bären gesehen. Scheint eh ein aus der Art geschlagenes Exemplar zu sein... Frühaufsteher gibt es da selten.



Nebelsuppe


 
Um 9:00am kommen wir in Banff an. Endlich raus aus dem Bus. Da ich erst ab 3:00pm im Hostel einchecken kann gehe ich mit Wolfgang frühstücken. Und was sehe ich auf dem Weg dorthin? Einen Moosebus! Na bitte, war wohl doch die richtige Entscheidung.




Kurzes Frühstück, noch ein nettes Gespräch und dann geht jeder seiner Wege. Ich gönne mir wieder den Bus. Ich weiß ja wo das  Hostel ist. Vom Stadtzentrum 3km den Berg rauf. Eh... no thanks.. Dann lieber in der Sonne auf den Bus warten. Bin für den Check-In zwar immer noch zu früh, aber meinen Rucksack darf ich hier "kostenlos" einschließen. Kurzer Stop im Waschraum und dann mache ich mich auf in Zentrum. Bergab ist da ja ne Kleinigkeit. Nach 3 Stunden kreuz und quer durch die "Stadt" mache ich mich auf den Rückweg. Wieder zu Fuß, bergauf, in glühender Hitze. Bin fix und fertig als ich im Hostel ankommen. Und das ohne 22kg auf dem Rücken. Aber was steht vor der Tür? Noch ein Moosebus. Den kenne ich, der gehört Ryan. Na dem einen oder anderen werde ich hier bestimmt nochmal über den Weg laufen.

 


 

Jetzt schnell auf Zimmer und dann ab unter die Dusche. Denkste. Ich komme nicht mal ins Zimmer rein. Chaos pur und ein freier Schrank ist auch nirgends zu sehen. Okay, dann wieder an den Frontdesk. Ob es wirklich das richtige Zimmer ist? Da würden nur 3 Mädels drin sein. Sieht er nach 30 aus und riecht auch so. Ich darf dann nebenan einziehen. Als ich aus der Dusche zurückkomme klebt an dem Chaoszimmer eine Notiz. Oh, oh... das sei ein Gemeinschaftswohnraum und auch bitte so zu behandeln. Das Housekeeping ist auch nicht reingekommen. Na da müssen die drei wohl aufräumen.

äh ja... wie soll ich da jetzt durchkommen?

so muss das aussehen

Bei mir meldet sich die Müdigkeit. Aber noch zu früh. Also Fotos sortieren, kopieren und ordnen. Dann noch schnell den Blog schreiben und dann geht's ins Bett. Ich habe Nachholbedarf an Schlaf.