Sunday, June 30, 2013

Madness


Das mir hier jetzt keine Mißverständnisse aufkommen. Ich liebe das Leben hier in Canada. Ich liebe die Menschen, die Natur, die Freiheit, aber es gibt ein paar Dinge die gehen mir langsam aber sicher ein wenig auf die Nerven bzw. treiben mich in den Wahnsinn.

Es gibt ein paar Dinge von denen habt ihr Kandier einfach keine Ahnung. Geschmacksneutralität ist nur die Spitze des Eisberges. Irgendwie schmeckt hier alles gleich oder nach schlichtweg nichts. Da hilft auch kein „Allzweckgewürz“ mehr. Für einfache Gewürze wie Paprika, Curry, Oregano oder schllichtweg Pfeffer musst du schon wissen, in welchen Laden du gehen musst. Immer nur fertige Gewürzmischungen.

Von Käse versteht ihr leider offenbar auch nichts. Ist ja dann auch kein Wunder, das der gute importierte Käse aus der Schweiz oder Holland gleich 10$ (im Angebot, sonst gut 12$) kostet. Für ein kleines Stück wohlgemerkt. Den Cheddar kriegst du zwar noch für relativ günstige 6-8$ dafür hat er aber auch kaum Geschmack. Dabei bin ich ja auch der Käsefan schlechthin... aber ich freue mich schon jetzt auf ein richtig schönes Stück Gouda. Natürlich den holländischen bitte.

Wenn schon Käse aus der Schweiz, dann wird auch gleich die Schokolade mit importiert. Die heimische schmeckt hier auch nur nach Einheitsbrei. Und nicht mal wirklich nach Schokolade. Nö.. dann lieber die gute Lindt-Schokolade. Ist mit 4$ pro Tafel auch nicht viel teurer als in good old Germany. Hat aber auch seine Vorteile, denn so esse ich weniger davon.

Was habt ihr Kanadier eigentlich mit Nutella? Mal abgesehen davon, dass ein kleines Glas gerade mal 6,12 Dollar kostet, scheint es hier mehr Leute zu geben die sich Nutella aufs Brot schmieren als welche die Erdnussbutter bevorzugen. Das mit der Erdnussbutter verstehe ich eh nicht. Hab noch nie etwas so gruseliges gegessen. Aber wenigstens schmeckt das Brot dann nach etwas. Bis jetzt habe ich noch keinen Unterschied zwischen dem Weiß- und Volkornbrot schmecken können. Und bei den Wraps kommt auch kein großer unterschied zu Tage.

Das Kapitel Bier können wir schnell abhaken. Ich erzähle niemandem mehr, das ich aus Deutschland komme. Da bricht gleich die Grundsatzdiskussion los und jeder erzählt mir was von Oktoberfest. Ja, ja... wir Deutschen und unser Bier. Trotzdem verzichte ich auf eine 5$ Flasche Becks. So schlecht ist das einheimische Bier nun auch wieder nicht.

Liebe Kanadier, das was ihr hier Lakritze nennt ist ja wohl nicht euer Ernst. Das ist das schlimmste was ich je gegessen habe. Dagegen sind ja selbst die Katzenpfötchen von Katjes ein Genuss.

Soviel mal zu den Lebensmitteln... aber es gibt etwas anderes das ich vermisse. Ein vernünftiges Kopfkissen wäre nicht schlecht. Und warum muss die Küche von 2300h bis 0600h geschlossen sein... schon mal was von Mitternachtssnack gehört? Und wenn du morgens deinen Kaffe um 0730h für 2 Minuten unbeobachtet in der Küche lässt, kannst du sicher sein, das die neue vom Housekeeping den Kaffee weggeschüttet hat.

Was mich aber so richtig zum Wahnsinn treibt, hat so garnichts mit Kanda zu tun. Das sind meine Roommates. Egal ob sich 2 oder 8 Leute ein Zimmer teilen, ein paar Grundregeln sollten immer gelten. Es gibt diese Dinger an den Türen die man runterdrücken kann. Nennt sich Türklinke. Scheinen aber einige  nie etwas von gehört zu haben oder wollen es einfach nicht. Echt prima wenn man morgens um 0300h von einer lautstark zugeknallten Tür geweckt wird. Dann noch mal 20 Minuten später und genauso morgens.... wenn man schon mal schlafen kann, rumms! Das kann man natürlich umgehen indem man die Tür einfach ganz auflässt. Ist auch schön, dann hört man die Nachtschicht beim Putzen und Eimer umwerfen. Hätte auf das Angebot von Ian eingehen sollen. Der hat eines der Luxuszimmer über 2 Ebenen und zur Zeit keinen Mitbewohner. Hat mir die obere Hälfte angeboten.

Ich weiß schon warum ich meine Wertsachen alle unter Verschluss habe. Das Hostel ist für eine Menge Leute zugänglich und eine offene Zimmertür mag den einen oder anderen schon einladen. Schlimmer noch wenn sich die eigenen Mitbewohner an fremden Sachen vergreifen. Egal ob unter Verschluss, im offenen Schrank oder auf dem Boden. Was mir nicht gehört, rühre ich auch nicht an. Und schon gar nicht mein 6 Dollar-Nutella! Für mich eine Selbstverständlichkeit, für andere offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich habe übrigens festgestellt, dass ich es wesentlich angenehmer finde in einem gemischten Zimmer zu wohnen. Grundsätzlich ist es ordentlicher und ruhiger. Aber selbst die 3 Gentlemen im Zimmer halten Anna nicht davon ab ihre sämtlichen Sachen über Bett, Fußboden, Tisch und Stühle zu verteilen. Ich kann ja richtig fies sein... denn ich schiebe ihr die Sachen immer so vor‘s Bett, dass sie selbst drüber stolptert, wenn sie morgens irgendwann angetrunken ins Zimmer stolpert. Ist nur gerecht, denn sie verteilt ihren Kram so vor meinem Bett, dass ich nicht mal an die Leiter komme. Und akrobatische Einlagen mit Sprung aufs Hochbett werde ich bestimmt nicht machen. Dumm nur, dass Anna so gut wie nie in ihrem Bett schläft. Keine Ahnung wo die sich immer rumtreibt.  Ich will es auch nicht wissen. Ehrlich gesagt, kann ich Anna nicht leiden. Und jetzt weiß ich auch warum. Das Sachen auf einmal verschwinden hat erst angefangen, seit Anna eingezogen ist. Shampoo, Bodylotion, Cremes, Haarspray, Fön, ein neues Shirt, Brot, Chips, Nutella, Chips und diverse Getränke vermissen wir aus dem Volunteer-Raum erst seit Anna hier wohnt. Aber das hat ja nun ein Ende. Sobald sie wieder auftaucht, kann sie ihren Kram packen und gehen. Und mir die 6 Dollar wiedergeben.

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