Die letzte Woche habe ich es ruhig angehen lassen. 3 Tage lang habe ich nicht mal meine Kamera angerührt. Die hat sich ja auch mal eine Pause verdient. Wusste wohl schon, dass mir die Erkältung oder was auch immer in den Knochen steckt. Bin aber nicht alleine mit dem Dilemma. Das halbe Hostel hustet und prustet vor sich hin.
Zum Glück muss ich nur 4 Stunden arbeiten. Ohne Schlaf finde ich aber auch 4 Stunden extrem anstrengend. Jetzt arbeite ich ja bereits seit ein paar Tagen im HI Banff Alpine Centre. Kennt ihr das aus Hotel oder Hostels wenn morgens jemand an der Tür klopft und "Housekeeping" ruft? Ich mach das jetzt auch. Und es macht sogar Spaß... wenn man die richtigen Leute um sich hat. Im Moment habe ich die Frühschicht, was bedeutet Waschräume putzen. Klingt schlimmer als es ist. Hab ja Handschuhe an. Das Problem habe ich aber mit meinen beiden Kollegen. Ich habe am ersten Tag mein Training von Radka bekommen, also welche Putzlappen und Reiniger für welche Sachen und der ganze Kram. Ich kann jetzt Bettlaken blind zusammenlegen. Was ich darf und was nicht. Und wenn mir gesagt wird ich soll die Reiniger nicht selber zusammenmischen und die Finger davon lassen dann ist das für mich nicht schwer. Ich bin immerhin nur Volunteer und auch hier gibt es Sicherheitsvorschriften.
Am nächsten morgen dann mit meinen neuen Volunteer-Kollegen los. Und die machen natürlich alles anders. Ich stehe da und gucke wie ein Auto. Was nun? Ich mache das was mir am Vortag beigebracht wurde und prompt regen sich die beiden auf. Und überhaupt wäre ich viel zu schnell. Wir haben schließlich 4 Stunden Zeit für ganze 8 Waschräume. Aha.... daher weht der Wind. Das hat mir Radka schon gesteckt. Also der Grundsatz ist 4 Stunden Arbeit und dafür keine Kosten für die Unterkunft. Wenn ich aber die Waschräume in 3 Stunden fertig habe sind ja immer noch die Küche da und die Wäsche macht sich auch nicht von alleine. Ich stelle fest, das ich eine völlig andere Arbeitseinstellung habe. Und ich bin mit meiner bisher immer gut gefahren. Wenn ich natürlich mehr Zeit damit verbringe auf meinem Laptop eine Playlist zu suchen und ständig kleine 10 Minutenpausen mache komme ich auch nicht voran. Mit den beiden werde ich nicht mehr grün. Franzosen hin oder her. Den Klopfer schlechthin haben die beiden heute gebracht.
Angefangen habe ich meine Schicht ganz normal. Gerade alle Reiniger im Korb und auf dem Weg, da hält mich Tricky schon auf. Ob ich erst den Lagerraum aufräumen könnte. Ja klar, hier sieht's eh aus als hätte 'ne Bombe eingeschlagen. Das passt Charline nun so überhaupt nicht. Na das dauert ja nicht lange, danach kann ich ihr ja helfen. Stimmt sie nicht gerade fröhlicher, aber auch nicht mein Problem. Ihr Freund Adrien kann ihr heute auch nicht helfen. Der hat heute "Spezialdienst", aber dazu gleich mehr. Ich liege gerade halb unter den Regalen im Lagerraum und hantiere mit dem Staubsauger und Tricky steht wieder in der Tür. Das würde aussehen als ob ich mit einem Staubsauger umgehen könnte. Ähm ja... offensichtlich und warum auch nicht? Dann bräuchte er mich jetzt zum Spezialdienst. Das nennt sich hier "Code B" und heißt nichts anderes als super gründliches Putzen. Jedes Zimmer auf einem bestimmten Flur wird bis in den hintersten Winkel gründlich geputzt und staubgesaugt. Unter den Betten, Matratzen runter, Tische und Möbel rücken, Schränke aussaugen. Und dann kommt ein anderer netter Mensch und versprüht irgendwelche Desinfektionsmittel. Kann auch nicht schaden. Was ich da alles gefunden habe. Löffel, Ketchuptüten, Socken, Bonbons, Strohhalme, eine Handcreme, eine Tomate (schon fast lebend), McDonalds-Soßen, Keycards... und immerhin 3 Dollar an Kleingeld. Und wenn die das hier angeblich einmal im Monat machen hat hier aber jemand ordentlich geschlampt. Ich verbringe 3 Stunden mit 4 Zimmern und bin danach total erledigt. Holzplatten hoch, runter, hin und her. Matratzen schleppen. Aber ich habe meine Job gut gemacht. Tricky hat nichts zu beanstanden und da ich noch eine halbe Stunde habe bittet er mich die Küche zu machen. Kein Thema.
In der Küche treffe ich Charline und Adrien wieder. Ich bräuchte den Abwasch nicht machen. Das gehöre nicht zu unseren Aufgaben. "Wir tun nur das, was uns gesagt wurde." Das Grinsen kann ich mir nur schwer verkneifen. Klar ist es nicht mein Job den Abwasch fürs ganze Hostel zu machen. Aber wenn die Spüle voll ist und sie keiner mehr benutzen kann, finde ich das selbstverständlich. Die beiden Franzosen offenbar nicht. Die verschwinden aus der Küche und ich bin 5 Minuten später fertig.
Vor Beginn seiner Schicht muss sich jeder Volunteer in eine Liste eintragen und nach Ende wieder austragen. So eine Art Arbeitsstundennachweis. Der Hammer ist allerdings, dass ich schon ausgetragen bin. Um 1:00pm von den beiden dusseligen Franzosen. Normalerweise würde ich nicht auf die 10 Minuten Mehrarbeit bestehen, aber da die beiden erst um 9:15am angefangen haben und ganz dreist 9:00am auf Papier geschrieben haben trage ich auch meine 1:10pm ein. Bin ich froh, wenn die endlich abreisen.
Nach 3 Stunden Schlepperei brauche ich jetzt aber unbedingt eine Dusche. Regen ist zwar angenehm, hat aber nicht den gleichen Reinigungseffekt. Dann ab in die Stadt und erst mal einkaufen. Der Kühlschrank ist nämlich leer.
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