Das Licht flackert noch kurz auf und dann ist Ende im Gelände. Sicherheitshalber gleich alle Stecker von den elektronischen Geräten ziehen. Wenn der Strom wieder anspringt könnte das eine böse Überraschung geben. Die Nachbargebäude sind ebenfalls ohne Strom. Das sieht nicht gut aus. 5 Minuten später ist klar, die ganze Stadt ist ohne Strom. Ich könnte jetzt ausflippen wie ein Großteil der anderen. Tue ich aber nicht. Bringt mir erstens nun wirklich überhaupt nichts und zweitens könnte es viel schlimmer kommen. Wir sind immerhin auf dem Berg. Es regnet mittlerweile nämlich schon wieder.
Die Frage ist nun allerdings warum ist der Strom weg. Ian wagt die erste Prognose... wenn in zwei Stunden kein Strom da ist, haben wir ein größeres Problem. Dann werden wohl die Turbinen am Damm betroffen sein. Der weiß wovon er redet, der arbeitet nämlich zur Zeit für eines der Unternehmen die den Highway reparieren und die Zugangsstraßen überwachen. Er weiß auch wie viele Trucks mit Lebensmitteln in die Stadt gekommen sind. Beruhigt ja doch ungemein.
30 Minuten später haben wir Gewissheit. Das Wasser hat das Spannwerk geflutet. Na das könnte ein paar Tage dauern. Fast das gesamte Personal wollen runter zum Damm und sich das ansehen. Ob ich nicht mitkommen will. Spätestens hier wird es wieder offensichtlich. Ich bin einfach anders. Meine Priorität gilt etwas anderem. Also lasse ich die Meute ziehen. Die kommen eh nicht bis an den Damm. Da wird alles schön abgesperrt sein.
Ich frage Ian ob wir uns jetzt nicht lieber um Wasser Sorgen machen sollten. Und richtig. So lange wir noch Wasser aus der Leitung kriegen müssen wir das ausnutzen. Also ab in die Küche und alles an Töpfen, Kannen, Schalen, Flachen, Kisten und Eimern her und Wasser abfüllen. Kein Strom, kein fließend Wasser, keine Toilettenspülung, keine funktionierenden Kühlschränke, kein Licht.... da wird einem bewusst wie abhängig wir von Strom und Elektrizität sind. Im Wildernesshostel ist ja wenigstens alles darauf ausgelegt, aber hier? Pustekuchen. Kein Gas für Kocher oder ähnliches. Aber die größte Sorge gilt hier den meisten nur dem fehlenden Wi-Fi und Handyempfang. Vom Hostelpersonal gibt es Anweisungen: keiner benutzt die Dusche, Toilette nur wenn unbedingt nötig, seine Getränke sollte sich jeder einteilen. Trinkwasser wird sonst vom Personal verteilt. Wir planen also alle mit mehreren Tagen ohne Strom.
Ian wundert sich das ich so ruhig bleibe. Für mich müsste das doch völlig ungewohnt sein. Natürlich ist es das, aber irgendwie finde ich es auch spannend. Kein Grund auszuflippen. Nach drei Tagen ohne fließend Wasser würde es wohl anders aussehen. Ich fühle mich in solchen Situationen erstaunlicherweise wohl. Nicht das ich mich darüber freue, versteht das jetzt bloß nicht falsch. Schnelle Entscheidungen treffen und überlegt und organisiert handeln scheint mein Hirn irgendwie draufzuhaben.
Nachdem Ian und ich alles an Wasser gesammelt haben was nur möglich war bleibt auch uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Mittlerweile ist es auch 2300h irgendwas. Die anderen sind mittlerweile auch zurück. Natürlich nicht bis zum Damm gekommen, na wer hätte das gedacht. Dann genießt man eben den Blick in den Nachthimmel. Zwischen den Wolken zeigen sich ein paar Sterne und der Vollmond. So ohne jegliche Lichtquelle wirkt es gleich ganz anders. Dann aber ab ins Bett. Und unglaublich ruhig ist es. Kein Ventilationssystem, keine Musik, absolute Stille.
Da lässt sich auch vernünftig schlafen. Und am morgen dann die große Überraschung. Der Strom ist wieder da. Da müssen über Nacht aber einige Leute ganz schön was geleistet haben. Auch wenn ich gerne mal erfahren hätte wie es ist ein paar Tage ohne Strom zu leben bin ich sehr dankbar. Hoffen wir das es auch so bleibt. Noch ist die Lage hier alles andere als entspannt.
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